Autoangebote - Gurtwarner

Eines der überflüssigsten Dinge im Automobil der Neuzeit ist der Warnton, den das Auto von sich gibt, wenn der Fahrer nicht angeschnallt ist. Gemeinhin als Gurtwarner verharmlosend angepriesen, reicht es ihm nicht, den Fahrer einen Audioton um die Ohren zu schallen, der auch gut als Montagsmorgenwecker durchgehen würde. Nein, auch visuell wird dem Fahrer eindringlich klar gemacht was er ohnehin längst weiß: Du bist nicht angeschnallt! Anschnallen! Jetzt! Urlaub auf dem Bauernhof buchen und sich richtig erholen.

Gerne bedient sich das Auto dabei der visuellen Waffe eines in schrillsten rot oder orange Tönen blinkenden Symbols. Jeder gelegentliche Kinogänger wird gleich erkennen, dieses Symbol wurde unweigerlich geklaut und dann verschlimmbessert. Sicher von einem unhumorigem deutschen Ingenieurs. Der Selbstzerstörungswarner eines handelsüblichen Atom-U-Bootes ist nämlich nichts gegen das grell im unteren zentralen Blickfeld hell auf- und abblinkenden Warnsymbols.

Innovation, liebe Autobosse, sieht anders aus. Wie wäre es in Zeiten explodierender Spritpreise mit reziprok implodierenden Verbrauchswerten? Nein, innovativ ist, was der Sicherheit dient, und das ist in den Augen der Hersteller offenbar nun einmal auch der Gurtwarner. Zwar mögen einige Dauerpessimisten einwenden, der Gurtwarner habe eine Funktion bei den etwas verwirrten Zeitgenossen, die durchaus vieles vergessen. Sie vergessen aber bestimmt nicht, dass sie nicht angeschnallt sind.

Ein kollektiver Protest der Autofahrer gegen diese unnötige wie nervtötende Innovation, im speziellen bei langen Reisen, ist leider ob der gültigen Gesetzeslage nicht möglich. Auch ist dies nicht anzuraten, denn spätestens nach der dritten Kurve ist das Gehör des Autofahrers derart betäubt, dass normale Geräusche des Straßenverkehrs nicht mehr wahrzunehmen sind. Vom gelegentlichen verzweifelten Piepsen des unumgänglichen Autohandys sei da schon ganz und gar geschwiegen.
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